Fokussieren - Innovieren - Fantasieren....

04.05.2020 12:43:43 | BLOG | Helmut Steigele | BLOG | 0 Kommentare


Da war sie. Die Diskussion, welche Form von Recoveryszenario denn nun die sei, die jetzt angesagt ist. Der eine geht in Richtung "Besinnung auf die Kernfähigkeiten", der andere geht in Richtung "Modifikation, Innovation, Nutzen neuer Chancen". Und beide warten darauf, ob der Markt ihren Wunschvorstellungen die korrekte Antwort gibt.

Ich gebe es unumwunden zu, eine meiner grössten Schwachpunkte ist das oft mehrmalige überprüfen der eigenen Ideen und Vorstellungen. Also hab ich mal kurz überprüft, was denn die anerkannte Wirtschaftslehre zu diesem Thema zu sagen hat, unterlasse jedes "Er hat Recht, ich habe Recht" und den sowieso damit ausgelösten Hahnenkampf der Experten...

Und, nach diesem Check wurde, basierend auf diesen Erkenntnissen die Frage gestellt:

Was wird eigentlich unter den gesetzten Rahmenbedingungen, von Digitalisierungs- und Informatikverantwortlichen erwartet, um Ihr Unternehmen aus dem Gefahrenbereich hinauszulotsen...


Kehren wir zur Ausgangssituation zurück: Gesetzt den Fall, jemand würde Sie als IT, Digitalisierungs- oder Technologiespezialisten fragen, was für das Recovery nach einem Krisenereignis das Wesentliche sein soll: 

Hier meine schonungslos ehrliche Antwort dazu: 
Aus dem Stand heraus, müsste ich  sagen:  Ich wusste es bisher nicht, ich musste mich zuerst selbst dazu mit relevantem Wissen auffrischen. Zudem fehlt noch eine Unbekannte, die eine sinnvolle Antwort garantiert
 
  1. Ich weiss ich nicht, in welcher Gesamtlage sich die für Sie relevanten Absatzmärkte befinden
  2. Ich weiss ich nicht, an welche Liefer- und Leistungsketten sie angebunden sind
  3. Ich habe ich Null Ahnung, wie gut Ihre Kriegskasse dotiert ist
  4. und wie lange Sie als Unternehmen durchhalten müssen, bis neu- oder wieder erschlossene Ertragsquellen sprudeln
Vor allem aber weiss ich eines nicht:
  1. Wollen Sie einfach wieder zurück in einen Zustand, der dem entspricht, was vor Eintritt der Krise war (Rekursives, je nach Erkennen präventives Vorgehen)
  2. Wollen Sie die Gunst der Stunde nutzen und den Mitbewerb abhängen (Expansives Vorgehen)
  3. Wollen Sie sich von der "verbrannten Erde" vorsichtigen Schrittes hin zu neuen Jagdgründen bewegen (Pragmatisches Vorgehen)
  4. Wollen Sie sich in einer neuen Welt eine sichere "Hochburg" bauen, und Schritt für Schritt den Tatsachen angepasst weiterwachsen (Progressives Vorgehen)
Denn je nach Absicht, sehen dann die Empfehlungen anders aus, und haben auch andere Konsequenzen:
  1. So werden wohl jene, die auf Effizienz, Gesundschrumpfen und Besinnung auf die Wurzeln setzen,  vielleicht überleben, ob sie aber je den Anschluss an jene schaffen, die ein bisschen mehr Jagd- und Wachstumswillen hatten, bleibt offen
  2. So werden wohl jene, die auf "Mutig in die neuen Weiten" setzen, sich wegen zu optimistischer Weltsicht manchmal die Pfoten verbrennen
  3. So werden jene, die radikal die eigenen Kosten unter Kontrolle halten, unproduktiven Mitarbeiterbestand und Lieferantenbeziehungen konsequent runterfahren, also knallhart sanieren und dabei den Blick nach aussen behalten und auf Innovationen setzen, sich nicht so schnell, aber doch erholen können (die Unbekannte sind hier Kriegskasse, burned Capital und Projektvorgehen)
  4. Werden jene, die sich des Wertes Ihrer Mitarbeiter und Lieferanten bewusst sind (also behutsamer vorgehen), trotzdem die Gestehungskosten Ihrer Produkte schärfen, aber gezielt an neuen Ertragsquellen arbeiten (proaktiver Einsatz von Offensiv und Defensivmechanismen), wohl schneller und mit den geringsten Blessuren aus der Schlacht herauskommen.


Und nun die erschütternde Erkenntnis für alle, die es geschafft haben, bis hier her zu lesen: 


Diese Empfehlungen und Erkenntnisse kommen nicht von mir, es ist also nichts also mit Fokus oder Innovation, als Richtungsempfehlung.

Da es aber ausreichend Studien an der Harvard University und der Sloan Management School zum Thema Organisationale Resilienz schon immer gegeben hat, habe ich trotzdem eine taugliche Grundlage für diesen Blog vorgefunden.

In etwas komplexerer Form kann man diese Erkenntnisse hier nachlesen: 
https://www.harvardbusinessmanager.de/editionen/index-2020-1.html, und das sogar in Deutsch (was mir die Recherche zeitlich massiv geschont hat..)

 

Was aber bedeuten diese Empfehlungen für CDO, CIOs und weitere Technologiespezialisten
 

  • Sie werden eine Frage laufend beantworten müssen: Wie und mit welchen Begleitrisiken ist was zu tun, damit wir mit Hilfe digitaler Lösungen im Markt bleiben, während andere noch mit Distanz, unpassenden Services und Produkten und unterbrochenen Supplychains zu kämpfen haben...
    • Sie werden dort als Ratgeber, Input und Umsetzer gebraucht, wo
      • Digitale Brücken zum Kunden erstellt werden müssen, weil sonst die Distanz zur "Nahrungsquelle Kunde" zu gross wird
      • Digitale Checks in den Supplychains einbauen, weil sonst ein frühzeitiges Unterbrechen der Lieferkette, das Unternehmen lähmt
    • Sie werden gebraucht, um Mitarbeiter auch dann produktiv zu halten, wenn sie nicht im Gemeinschaftsbüro sind
    • Sie werden womöglich das Ende der Grossraumbüros durch andere Szenarien mit einläuten..
    • Sie werden beim Nachhaltigen Senken von Gestehungs- und Betriebskosten gebraucht (damit diese nicht mehr auftauchen)
      •  mit HIlfe von Service Automatisierung, Robotic Process Automation, Datenanalyse und Datenauswertung
        • Das Kundenverhalten besser erfassen
        • Detaillierter Auswerten
        • und damit die Wissensbasis für künftige Innovationen schaffen
        • die Cost of daily Relationship zum Kunden nachhaltig senken und Vertriebs- und Marketingausgaben neu fokussieren
    • Ihre Fähigkeiten in der Capability Planung, dem Eliminieren von Inseltechnologien, beweglichkeitshemmenden Servicebeziehungen werden gerne gesehen
    • Ihre Möglichkeiten mithilfe von IT, unerwünschte, ungeplante und damit bisweilen existenzgefährdende Risiken, Non-Compliances zu erkennen, werden geschätzt werden
    • Sie werden gemeinsam mit Ihren Fachabteilungen die Verhaltensmuster, Bedürfnisse und Entscheidungsparameter aller "digitalen Benutzer" da draussen analysieren, auswerten und daraus die Schlüsse für die künftige Nutzung der digitalen Marktleistungen ihres Unternehmens  ziehen
    • Sie werden das fortlaufende Skillsmanagement und Talentmanagement des Unternehmens mitgestalten, denn sie wissen wahrscheinlich am ehesten, mit welchem Format, welches Wissen wie nachhaltig in den Organisationen verankert werden kann.

Was ist also die zentrale Erkenntnisse für CDOs und CIOs. Helfen Sie wo es nur immer geht ihrem Business dabei für eine nun noch komplexere Welt überlebensfähig zu bleiben
 

  • Bauen Sie dort digitale Brücken, wo der Modus "Face to Face"einfach nicht mehr geht
  • Zeigen Sie mit Hilfe dessen, was sie schon an Daten haben auf, wo es derzeit entlang von Supplychains und Value Chains hakt (ergo das Geldverdienen blockiert ist), beseitigen sie diese Blockaden
  • Helfen Sie mit ihren Instrumenten und Ideen dem Management bei drei Fragen:
    • Der Erarbeitung einer "Recovery Roadmap", denn die bestehenden "Strategien" haben im besten Fall "Altpapiercharakter"
    • Mit welchen Massnahmen kann ich digital das überbrücken, was konventionell nicht mehr geht
    • Mit welchen Informationen, Methoden und Daten finde ich raus
      • Wo das Geld versickert
      • Die Risiken erkannt werden können (Risk Indikatoren und Risk Monitoring)
      • Wo gewinne ich mit Technologie schon kurzfristig "Geschwindigkeit"
      • Wo schone ich mit Technologie die Produktionskosten
      • Wie setze ich Technologie ein, um künftig schneller zu "sehen, zu antizipieren und zu lernen"
      • Welche digitalen Möglichkeiten sichern mir in ca. 6 bis 12 Monaten das Überleben in einer neuen Welt
Hier noch ein Statement zu den Empfehlungen. Nicht nur ich, sondern auch die Hohepriester an den Lehrstühlen der Wirtschaftswissenschaft gehen eher davon aus, dass das was vor Corona war (BC) nicht mehr das sein wird, was vor uns ist. Ein Spekulieren auf die Rückkehr zu dem Status ante erachte ich daher als ausgesprochen mutig

Hinweis für den nächsten Resilience Blog: Awakening from Coma - Was ist zu tun...